Alltag

Ich hatte jetzt zwei oder drei Wochen kein funktionierendes Handy, das Problem hat sich aber jetzt gelöst und ich kann wieder bloggen. Da ich in letzter Zeit ziemlich viele Fragen zum Essen, zu meinem alltäglichen Leben hier und zu Ausflügen erhalten habe, ist dieser Post eine Zusammenfassung verschiedener E-Mails, Facebook-, Skype-, WhatsApp-, WeChat- und Was-Weiß-Ich-Noch-Nachrichten.
Ein normaler Schultag beginnt für mich um 6.00 Uhr mit Aufstehen, fertig Machen, wenn ich noch Zeit habe, also meistens nicht, Frühstücken und um kurz vor 7.00 mit dem Schulbus in die Schule Fahren. Der Unterricht beginnt um 8.00 Uhr und ist sehr frontal, das heißt der Lehrer erzählt etwas und stellt keine Fragen. Wenn man etwas sagen will, meldet man sich nicht, sondern sagt es einfach. Die einzige Ausnahme ist Englisch, da sitzen wir in zwei Gruppen (B2 und C1) direkt mit dem Lehrer zusammen. Meistens sind 50% des Unterrichts Diktat des Lehrers ins Heft und den Rest der Zeit unterhalten wir uns über alles mögliche, aber Erklärungen zu Hefteinträgen oder Diskussionen zum Thema gibt es quasi nicht. Die Schüler lernen für die Tests die Heft Einträge auswendig. Die Tests schreiben wir in den Examens-Wochen, für zwei Wochen ist jeden Tag in der 1. Und 2. Oder 3. Und 4. Stunde eine andere Prüfung. Morgen geht es wieder los.�� Die Prüfung besteht aus einem Multiple-Choice-Teil, einem Teil mit kurzen Antworten, das heißt Stichpunkte oder einzelne Wörter, und einem Teil, in dem man ganze Sätze schreiben muss. Wenn man die Heft Einträge auswendig kann, kann man auch gute Noten in den Prüfungen schreiben. Wenn man das nicht getan hat, kann man immer noch durch logisches Nachdenken 26/34 Punkten im Multiple-Choice-Teil einer Politik-Prüfung über das Gesetzbuch Costa Ricas holen. Die anderen beiden Teile bearbeite ich meistens nicht oder kaum, weshalb ich trotzdem in fast jedem Examen durchfalle. Pura Vida! �� Es gibt Noten von 0 (am schlechtesten) bis 100 (am besten). Mit 70 hat man bestanden. Ich habe meistens irgendwas zwischen 55 und 65. Mein bisher bestes Ergebnis war logischerweise Englisch, was leider trotzdem nur eine 86 war. Kenneth, der ist Muttersprachler, hatte aber auch nur 80, weil man komisches Zeug für den "Grammatik"teil auswendig können musste.
Um 12.20 Uhr ist, außer Freitags, Mittagspause. An meiner Schule sind es 40 Minuten. In dieser Zeit gehen (okay, rennen) wir in die Cafeteria, stellen uns für eine halbe Stunde in eine ewig lange Schlange und verschlingen das Essen anschließend in fünf Minuten. Eine Freundin und ich machen es jetzt so, dass wir uns Zeit lassen, eine halbe Stunde warten und uns dann fünf Minuten anstellen. Beim Warten kann man wenigstens sitzen. Das Schulessen ist nicht besonders gut, aber auch nicht richtig schlecht. Es gibt Reis, Bohnen und Kochbananen, was hier die Essensgrundlage jedes Essens ist, sowie Stückchen von wechselndem Gemüse und Fleisch in verschiedenen Formen, einmal durch Lasagne ersetzt. Es gibt einen Essensplan, der sich alle drei Wochen wiederholt. Das Einzige, was richtig gut schmecken soll, ist das Hühnchen a la KFC. Dumm gelaufen. Dafür bekommt man einen Rabatt von ganzen 10 ct wenn man das Fleisch weglässt. Es gibt auch Salat, der ist in einer separaten Schüssel und man nimmt sich soviel man will. Leider gibt es keine Salatsoße (auch wenn ich in Anbetracht dessen, was ich über Salatsoßen an gewissen Schulen in England gehört habe, froh darüber bin). Außerdem ist ein variierendes Getränk im Preis inbegriffen. Nachtisch gibt es nicht, aber der Schulkiosk verkauft auch Schokolade. Viele Leute umgehen das Cafeteria-Essen indem sie sich etwas von zu Hause mitbringen und es dann in einer der Mikrowellen, die auch in der Cafeteria stehen, aufwärmen. Nach dem Essen ist wieder Unterricht bis 15.20 Uhr und nach einer weiteren Busfahrt bin ich um 16.30 Uhr zu Hause, wo ich nochmal etwas esse und dann mit meinem Bruder spiele, fern sehe oder lese. Da jeder bei uns um eine andere Zeit geht und wieder nach Hause kommt isst jeder alleine, woran ich mich aber mittlerweile gewöhnt habe. Xinia kocht und dann nimmt man sich so viel man will und stellt es in die Mikrowelle. Seit ich meinen Süßigkeiten-Vorrat wieder aufgebraucht habe, esse ich täglich in der Schule eine Banane und einen Apfel oder eine Birne und das gleiche sowie noch irgendwelche Früchte nochmal zu Hause. Ist wahrscheinlich die bessere Alternative, Oreos gibt es schließlich auch in Deutschland und die Mangos sind da nicht so frisch. ��
An den Wochenenden habe ich keinen festen Tagesablauf. Manchmal unternehme ich Ausflüge mit José, der seit einiger Zeit bei uns lebt, manchmal mache ich was mit Freunden, obwohl das immer etwas schwierig ist, weil die die ganze Zeit lernen. Deshalb habe ich jetzt wieder mehr Kontakt zu Leuten aus meiner alten Schule (siehe Bilder auf Facebook...) die zwar wahrscheinlich die 10. Klasse wiederholen werden, aber dafür am Wochenende "Party" machen. �� Zu anderen Deutschen habe ich kaum Kontakt, ich glaube, dass sich nur die Leute noch treffen, die auf die gleiche Schule gehen. Ich bin aber ganz froh, dass ich die einzige Austauschschülerin in meiner Klasse bin, sonst macht man automatisch so viel mit den Mitschülern aus dem gleichen Land. Unser letzter Orga-Ausflug findet übrigens nicht mal statt, weil sich nur sechs Leute angemeldet haben. Trotz allem habe ich mittlerweile relativ viel von Costa Rica gesehen, die einzige der insgesamt sieben Provinzen, in der ich (noch?) nicht war, ist Limon, das ist der Bereich mit der Karibik. Und den Gangstern mit den Drogen aus Jamaika. Außerdem "fehlt" mir noch der Parque de Diversiones, das ist der einzige Freizeitpark Costa Ricas und er liegt in San José. Ich hatte schon mindestens fünf mal - immer mit anderen Leuten - Pläne, dahin zu gehen, es hat aber nie geklappt. Mariadelia meinte aber, dass der nicht so toll ist und, wenn man schon mal in einem Freizeitpark in Europa war, man eher enttäuscht ist. Die glaubt allerdings auch, dass die europäischen Freizeitparks alle so sind wie Disneyland. Außerdem sollte man besser nicht in einen Teil vom Park gehen, weil es da gefährlich ist. Vielleicht klappt es aber doch noch, Mariadelia will in den Ferien nach den Prüfungen mit mir dahin fahren und wenn man Einheimische, denen man vertrauen kann, dabei hat, ist es deutlich sicherer. Ferien sind ab 28.07 für drei Wochen, für mich sind es natürlich nur noch ein paar Tage.
Hier glauben übrigens 70% der Leute, dass Deutschland Weltmeister wird. Vielleicht haben sie ja Recht. ��

15.6.14 19:13

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